Erich Ruhl-Bady
Auf der Suche nach dem Glanz des Friedens.

Auf der Suche nach dem Glanz des Friedens

Worum geht es im Roman?

  • Großväter, Väter, Söhne. Einander zugetan, doch sagen und zeigen können sie es nicht. Die Mütter - hilflos.
  • Roman über eine Familie in Kriegs- und Friedenszeiten.
  • Bis hinein in die Gegenwart ringen authentisch gezeichnete Charaktere um Normalität und Bürgerlichkeit, um Anerkennung und Erfolg.
  • Leander sieht den großen Bogen, der sich über sechs Jahrzehnte in Heinrichs Leben spannte.
  • Vom kampfeslustigen und ideologisch aufgeladenen Kämpfer fürs heilige deutsche Vaterland, über den geläuterten Liberalen
  • Bis hin zum unnützen Pensionär, in dem der alte Hass wieder fröhliche Urständ feiert, weil es ans Eingemachte geht.
  • Und immer wieder stellt sich die Frage: Wie dünn ist die Decke unserer demokratischen Kultur?
  • Ein Buch wie ein Film, mit spannenden Szenenwechseln. Reflektiert, politisch und von feiner Ironie durchzogen.
  • Der Autor hätte bis vor Kurzem sein Debüt gar nicht Antikriegsroman genannt, sondern eine Generationen-Erzählung.
  • Eine Großvater-Vater-Sohn-Geschichte. Von den 20er Jahren bis zu den 20er Jahren unseres Jahrhunderts.



VERLAG KLEINE SCHRITTE | éditions trèves


Informationen zum Autor.



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Der Soziologe und Systemiker Raimund Schöll schrieb die folgende, den Kern treffende Rezension:


"Vaterfern mutterstill" ist die berührende Geschichte eines Nachkriegskindes, das seine eigene Existenz in Verknüpfung mit der Geschichte seiner Herkunftsfamilie verarbeitet. Während sich Leander, die Hauptfigur des Romans, in der Auseinandersetzung mit dem fernen und rastlos arbeitenden Vater, der im 2. Weltkrieg als fanatischer Wehrmachtssoldat diente, vom schüchternen Kind mit stiller ängstlicher Mutter zum selbstbewussten Kriegsdienstverweigerer und Pazifisten entwickelt, erhält der Leser fast wie nebenbei eine dichte Beschreibung der Lebensatmosphären der jüngeren Bundesrepublik. Ein Land, das schon bald nach dem Krieg auf der Vorderbühne wirtschaftlich in euphorischer Aufbruchstimmung ist, auf der Hinterbühne allerdings traumatisiert bleibt von der bis heute unfassbaren Katastrophe.


Stilistisch wählt Ruhl-Bady dabei einen interessanten Weg. Der Text bewegt sich zwischen nüchterner Beschreibung einerseits, literarischer Verarbeitung und feiner Ironie andererseits hin und her. Das Verhältnis Leanders insbesondere zum Vater bleibt bis zum Schluss ambivalent. Es ist vom Versuch zu verstehen geprägt bei gleichzeitigem Ringen um Abgrenzung. Eindrucksvoll gelingt es Bady, die neuralgischen Punkte und Abgründe der sogenannten Kriegsgeneration, der es oft an Einfühlsamkeit gegenüber den eigenen Kindern (den sogenannten Kindern der Kriegskinder bzw. Kriegsenkeln) ermangelte, empathisch aber auch unprätentiös zu beschreiben: „Riesige Verwechslungen hatten Leanders Vater empfänglich gemacht für Rassismus und Tyrannei, im Ergebnis für Krieg. Heinrich hatte Leid gebracht und selbst viel gelitten. Fast ohne Unterlass bildete Vaters Vergangenheit über Jahrzehnte eine verlässliche Hintergrund Stimmung in Leanders Gedanken, aber er war nicht nur erschrocken: Vaters bewusste Wendung vielleicht noch zeitig genug nötigte Leander Respekt ab.“


Das Buch hält vom Anfang bis zum Ende durch, was es im „Klappentext“ verspricht. Es zeichnet authentische Charaktere, die um Normalität und Bürgerlichkeit, um Anerkennung, Erfolg und Liebe ringen. Es gibt spannende Szenenwechsel wie in einem Film.


Vaterfern mutterstill kann man als ein leidenschaftliches Plädoyer für Demokratie und Humanität lesen, aber auch als eine gelungene persönliche Aufarbeitung der tragischen Trias von Leid, Schuld und Tod.


Als Leser hat mich der Roman berührt, weil er daran erinnert, dass es trotz familiärer und systemischer Verstrickungen stets einen freien Bereich gibt, den man entdecken und gestalten kann, um seinen eigenen Weg zu gehen. Gegen Ende schreibt Leander in einem Brief an seinen Vater folgendes:


„Die Demagogie der Großen Verwirrung ist ein schleichendes Gift. Deshalb sollte der Innere Kompass in der Seelentasche stets greifbar sein. Das Instrument, das das Herz erwärmt und den Geist frei atmen lässt.“


Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.




Foto: SI / Deibel


Presse-Information

SOROPTIMIST INTERNATIONAL

LAUTERBACH-VOGELSBERG am 4. Oktober 2022


„Nie wieder Krieg!“:

Der Krieg ist das Verbrechen

Erich Ruhl-Bady las aus seinem ersten Roman


Im Rahmen des Mitmach-Projektes „Nie wieder Krieg!“ von Soroptimist International (SI) Lauterbach-Vogelsberg las der ehemalige Pressesprecher des Kreises, Erich Ruhl-Bady, im Café Stöhr in Lauterbach aus seinem Erstlingswerk „vaterfern mutterstill“.


In ihren Begrüßungsworten erläuterte SI-Präsidentin Dr. Barbara Peters die sogenannte „Gefühlserbschaft“, also die unbewusste Weitergabe von unbearbeiteten Traumata von Generation zu Generation – im Falle eines Krieges nicht nur die Opfer und Täter, sondern auch Mitläufer, Zuschauende, Schweigende. Verdrängte Erfahrungen und angstvolle Gefühle belasten alle nachfolgenden Generationen, solange keine sinnstiftende Verarbeitung von Familiengeschichte stattfindet.


Dieses Thema war Inhalt eines Vortrages von Prof. Dr. Moré während des „Nie wieder Krieg!“-Projektes in 2018 und Autor Ruhl knüpfte direkt an die Worte von Peters an:


Das Phänomen der transgenerationalen Weitergabe sei durchaus einer der Subtexte seines Buches, in dem er


die Last der „schweren Brocken“ und den „Dreck“ des Krieges in den Generationen (s)einer Familie beschreibt. Diese bedeutet aber, so wurde während des Abends deutlich, auch Humus und Quelle für Ruhls tief wurzelnden Pazifismus. Ruhl-Bady beschreibt Begriffe wie Heimat, Freiheit, Kultur, Vertrauen, Wärme und Liebe als in ihm lebendige Gefühle, die dort aber nur im Frieden gedeihen können.


Die wie ein anregendes Gespräch gestaltete Lesung gab nicht nur einen emotionalen Einblick in eine vom „großen Kulturbruch“ - so Ruhl-Badys kluge Bezeichnung für „Krieg“ - erschütterte Familiengeschichte, sondern ebenso in die nahbare Persönlichkeit des Autors, deren Umrisse, mehr aber noch deren Rückgrat sich auch an just dieser Familiengeschichte ausgebildet haben.


Während des Schreibens sei ihm darüber hinaus gelungen, Verzeihen zu empfinden und damals erlebte Sprachlosigkeit in Form von inneren Dialogen mit dem Vater nachzuholen, so Ruhl-Bady.
Ruhl-Bady nutzt dabei Sprache wie ein hochfeines Ziselier-Instrument, das Worte und emotionale Bilder immer noch etwas genauer herausarbeitet, was Lesenden und Hörenden Freude bereitet und Dinge während des Erfassens bewusster macht: Mitläufer, so Ruhl, laufen nicht nur mit; sie verantworten mit, da sie Geschehen zulassen, und werden so zu „Mitträgern“.


Eigentlich, so der Autor, habe er mit dem Buch lieber verstehend zurückblicken wollen, als es quasi nochmals angesichts der aktuellen Geschehnisse zu durchleben, aber die geopolitische Situation mache dies unmöglich.


Und so ist klar, dass nun wieder eine Generation Traumata erlebt und es weitere Generationen dauern wird, bis diese be- und verarbeitet werden können.


Auch deshalb, so Ruhl-Bady, seien die Grausamkeiten des Krieges keine Kriegsverbrechen, sondern der Krieg selbst sei das Verbrechen.


Das SI-Projekt „Nie wieder Krieg!“ wird vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert. Alle weiteren Informationen und Termine des Rahmenprogramms unter www.niewiederkrieg.net
Foto: SI/Deibel

Kriegsdenkmal Löwe wird verhüllt. Friedenskultur. Ein

Projekt des Clubs

Soroptimist International Lauterbach-Vogelsberg:

Nie wieder Krieg!