Erich Ruhl-Bady
Auf der Suche nach dem Glanz des Friedens.

1. Advent im Jahr 2025


Ginko als Mahnmal für Friedenskultur


Bürgermeisterin Runge: „Botschafter der Völkerverständigung“


Pflanzaktion des Friedensbündnisses im Rushmoor-Park


Von Erich Ruhl-Bady


Mica Sibert aus Oberursel ist stolz. Sein Ginkobaum, den er vor acht Jahren zu seiner Konfirmation geschenkt bekommen hatte, steht nun nicht mehr im Garten seiner Eltern, sondern „für immer“ im Rushmoor-Park. Mica hat den Baum dem Friedensbündnis gestiftet.


Begleitet von einer würdevollen Tanzzeremonie des Japanisch-Deutschen Tanzkreises „Nichi-Doku-Bon-Odori Kai“ e.V. aus Frankfurt wurde der „jugendliche Baum“ (er hat noch tausend Jahre Leben vor sich) von Aktivisten des Friedensbündnisses, unter der fachkundigen Regie des Gartenbau-Ingenieurs Robert Kommraus, in Nachbarschaft der drei „Bäume zu Ehren der friedlichen Deutschen Wiedervereinigung“ eingepflanzt.


Vor 80 Jahren, im August 1945, waren durch gezielte Angriffe der US-Luftwaffe auf die Zivilbevölkerung in Hiroshima und Nagasaki 200.000 Menschen vernichtet worden. Auf Initiative des Friedensbündnisses Oberursel gibt es nun seit dem Ersten Advent 2025 im Rushmoor-Park ein gut sichtbares Mahnmal für die japanischen Opfer, gegen den Atomkrieg und für den Erhalt Weltfriedens mit der Aufschrift „Nie wieder!“. Das Symbol hinter der Stein-Stele ist der Ginkobaum von Mica.


Um die Symbolkraft noch zu verstärken, war das vorbereitete Pflanzloch – zum Erstaunen der zahlreichen Gäste der Zeremonie – zunächst „besetzt“; von einem Koloss: Ein 1:1-Modell der Hiroshima-Bombe, über drei Meter lang, steckte in der herbstlichen Erde. Doch dies nicht lange. Ein halbes Dutzend Aktivisten stießen den Koloss unter dem Beifall der Anwesenden um – nun war der Platz frei für den Ginko-Friedensbaum.


Bürgermeisterin Antje Runge beschrieb den Baum in ihrer Rede als Zeichen für Hoffnung und Stärke. Er sei auch ein Symbol für das Überleben der Menschheit. Der Baum rufe uns allen ein „Nie wieder!“ zu. Der Ginko zeige sich als Botschafter für Frieden und Völkerverständigung. Runge überreichte dem Stifter Mica Sibert sowie den Baumpaten des Friedensbündnisses, Otto Bammel und Robert Kommraus, eine Urkunde, die die Patenschaft besiegelte.


Der ebenfalls anwesende Ex-Bürgermeister Hans-Georg Brum berichtete am Rande der Veranstaltung, dass er im Oktober in Hiroshima war. Von der japanischen Kultur zeigte sich Brum tief beeindruckt. Der japanische Generalkonsul habe Brum auf die Ginko-Pflanzung im Rushmoor-Park hingewiesen.


Dr. Martin Müllerleile sprach für das Friedensbündnis. Er beschrieb die Einzigartigkeit des Ginkobaums, der schon zu Zeiten der Dinosaurier vor 150 Millionen Jahren in Asien heimisch war. Der Ginko stehe für Würde, Kraft und Widerstandskraft, er symbolisiere Geduld, Hoffnung und „langen Atem“. Dies gelte sowohl für die Erhaltung des Friedens als auch für die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten. Ökologie und Frieden gehörten immer untrennbar zusammen.


Martin Müllerleiles Wunsch:


Seine fünfjährige Enkeltochter werde sich einst,


am Ende dieses Jahrhunderts, „wenn wir hier alle schon Sternenstaub sind“, vor diesem Ginko-Mahnmal stehen, über das Symbol für Frieden und Völkerverständigung freuen.


Vor allem aber darüber, „dass die Verantwortlichen in der Welt dann doch noch in diesem Jahrhundert die Kurve gekriegt haben – und das Unheil des Atomkriegs nicht eingetreten sein wird“.